„Ich identifiziere mich mit der Wurzel, das bin ich. Die Wurzel ist tot, nicht lebendig, trotzdem ist sie da und Menschen kommen, um sie zu besuchen. Das erinnert mich an das, was ich damals erlebt habe: Meine Fesselung, meine Hände in den Handschellen. Die Kraft des Baumes, der es schafft durch das Metall zu wachsen. Ich habe eine lange Reise hinter mir, wenn ich Bilder betrachte, erinnert mich das an Szenen, aber ich kann dies heute genießen und freudig betrachten."

Ali Shallal Abbas aus dem Irak, Teilnehmer Fotoprojekt

Fotoprojekt ‘Leben im Exil’

Seit Anfang 2011 beschäftigen sich die Patientinnen und Patienten der Ambulanten Abteilung des Behandlungszentrums für Folteropfer Berlin (bzfo) im Rahmen eines Fotoprojekts thematisch mit ihrem "Leben im Exil". Die acht Männer aus der Fotogruppe haben sich diesem Thema mit digitaler Fotografie, aber auch mit begleitenden Texten angenähert.

Fachlich geleitet wird das Projekt von der Fotografin und Kunsttherapeutin Carolin Tschiesche-Zimmermann sowie einer Sozialarbeiterin aus dem bzfo. Das Projekt stellt ein Zusatzangebot zur psychosozialen Versorgung der Patientinnen und Patienten im bzfo dar. Nach Folter, Gewalterfahrung in Kriegen und Flucht erarbeiten sich die Frauen und Männer im Exil so eine neue, lebenswerte Zukunftsperspektive.

Ziel des Projekts

Ressourcen nutzen und wiederbeleben

Das Gruppenprojekt „Leben im Exil“ bietet den Teilnehmenden Hilfe und Unterstützung, eigene Ressourcen und Kompetenzen wahrzunehmen und weiterzuentwickeln.

Wahrnehmung stärken

In der intensiven Auseinandersetzung mit dem sozialen Umfeld können Wahrnehmungsprozesse sensibilisiert und Integrationsprozesse der Patienten gefördert werden.

Öffentlich sichtbar werden

Durch das Medium der Fotografie werden die Teilnehmenden motiviert, sich mit ihren Lebenserfahrungen mitzuteilen und somit aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Die Fotografie dient hier als Ausdruck und Spiegel innerer und äußerer Lebensrealitäten. Besondere Bedeutung bekommt dabei das klar definierte Gruppenziel der gemeinsamen Ausstellung und Veröffentlichung der Patienten arbeiten.

Neue Lebensperspektiven entwickeln

Schon bei dem ersten Fotoprojekt der Stiftung "Fremde Blicke" machten wir die Erfahrung, dass das Erleben von Akzeptanz, Interesse und Wertschätzung sich positiv auf die psychosoziale Situation der damaligen Gruppenteilnehmer auswirkte. Sie erlebten sich weniger als Randgruppe der Gesellschaft, sondern vielmehr als aktiv gestaltender Teil, wodurch u.a. neue Lebensperspektiven entwickelt werden konnten.

Die Weitergabe von Erfahrungen und Wissen durch die Gruppenteilnehmer in Form von Peergruppen und Mediatoren stellt einen weiteren Schwerpunkt des Projektes dar.

Unsere Projektpartner

Rudi Meisel, Dozent an der Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin
Kurator und Berater

Katholische Hochschule für Sozialwesen, Berlin
Evaluation des Gesamtprojekts